Disziplin: GRC

GRC-Software für ESG: Nachhaltigkeit ins Risikosystem holen

GRC-Software steht für Governance, Risk und Compliance. Wenn ESG in dieses System einzieht, wird Nachhaltigkeit Teil der regulären Risiko- und Kontrollarchitektur. Diese Seite erklärt, was die Disziplin leistet, welche Funktionen zählen, was die Praxis lehrt und welche 6 Anbieter dieser Disziplin im Navigator vertreten sind.

Kurz erklärt

GRC steht für Governance, Risk und Compliance, also Unternehmensführung, Risikomanagement und Regelkonformität. In dieser Disziplin ist ESG kein eigenes Werkzeug, sondern ein Modul der GRC-Plattform. Der Vorteil: Nachhaltigkeitsrisiken, Kontrollen und Audits laufen im selben System wie alle anderen Unternehmensrisiken, mit denselben Rollen, Workflows und Berichtswegen.

Grundlagen

Was GRC-Software für ESG leistet

Diese Disziplin behandelt ESG als Risiko- und Kontrollthema. Drei Leistungen stehen im Zentrum.

01

ESG-Risiken bewerten

Sie erfasst Nachhaltigkeitsrisiken nach denselben Maßstäben wie andere Unternehmensrisiken und macht sie im Gesamtbild vergleichbar.

02

Kontrollen verankern

Sie hinterlegt Kontrollen und Verantwortliche für ESG-Themen, sodass Pflichten nicht in Tabellen verloren gehen.

03

Audit und Nachweis

Sie steuert interne Audits und legt Nachweise revisionssicher ab, was bei der externen Prüfung des Nachhaltigkeitsberichts hilft.

Funktionen

Kernfunktionen einer GRC-Plattform

Eine GRC-Plattform mit ESG-Bezug deckt sechs Funktionsbereiche ab.

01

Risikoregister

Ein zentrales Verzeichnis aller Risiken, in das ESG-Risiken gleichwertig einfließen.

02

Kontrollmanagement

Kontrollen, Verantwortliche und Testzyklen werden definiert und überwacht.

03

Richtlinien und Policies

Verwaltung von Richtlinien, Freigaben und der Bestätigung durch die Beschäftigten.

04

Audit-Management

Planung, Durchführung und Nachverfolgung interner Prüfungen, auch zu Nachhaltigkeitsthemen.

05

Workflow und Eskalation

Aufgaben, Fristen und Eskalationswege sorgen dafür, dass Befunde bearbeitet werden.

06

Berichte für Gremien

Risiko- und Compliance-Lage werden für Vorstand und Aufsichtsgremien aufbereitet.

Aus der Praxis

Praxis-Insights aus GRC-Projekten

Aus GRC-Projekten mit ESG-Bezug lassen sich klare Muster ablesen.

Insight 01

ESG erbt die Stärken des GRC-Systems

Wer bereits eine GRC-Plattform nutzt, bekommt ESG-Risiken mit vertrauten Workflows und ohne ein zweites System.

Insight 02

GRC ist kein Reporting-Werkzeug

GRC-Software steuert Risiken und Kontrollen. Für den formatierten Nachhaltigkeitsbericht braucht es meist zusätzlich eine Reporting-Lösung.

Insight 03

Der Nutzen hängt an der Pflege

Ein Risikoregister ist nur so gut wie seine Aktualität. Ohne klare Verantwortliche veraltet auch das beste System.

Insight 04

Governance schlägt Funktionsumfang

Der größte Hebel ist nicht eine Zusatzfunktion, sondern klar zugewiesene Verantwortung für jedes ESG-Risiko.

Insight 05

ESG-Risiken brauchen eine eigene Taxonomie

Klima, Lieferkette und Arbeitsbedingungen: ESG-Risiken sind vielfältig. Erst eine saubere Risikokategorisierung macht sie im GRC-System steuerbar.

Insight 06

Kontrollen sind wertvoller als Risikolisten

Ein Risiko zu benennen, ist der einfache Teil. Den eigentlichen Nutzen bringen die hinterlegten Kontrollen und ihr regelmäßiger Wirksamkeitsnachweis.

Insight 07

Die interne Revision früh einbinden

Wenn ESG ins GRC-System einzieht, wird es prüfbar. Wer die interne Revision von Anfang an einbezieht, baut die Nachweise gleich richtig auf.

Insight 08

Doppelte Datenhaltung vermeiden

ESG-Daten liegen oft schon in Carbon- oder EHS-Systemen. Das GRC-System sollte sie anbinden, statt sie ein zweites Mal zu erfassen.

Anbietervergleich

Die 6 GRC-Anbieter im Vergleich

6 Anbieter aus dem Navigator haben ihren Schwerpunkt in GRC, Risiko und Audit. Die Übersicht ordnet sie nach Fokus und typischer Eignung.

AnbieterSchwerpunktTypische Eignung
Diligent ESGESG im Governance- und GRC-VerbundGrößere Unternehmen, Aufsichtsgremien
OneTrustESG-Management in der GRC-PlattformMittlere bis große Unternehmen
LogicGateRisiko- und Compliance-WorkflowsMittlere bis große Unternehmen
AuditBoardAudit, Risiko und ComplianceInterne Revision und Risikoteams
NAVEXGRC und Ethik-ComplianceMittlere bis große Unternehmen
AlyneStrukturierte RisikobewertungRisikofunktionen, DACH-Raum
Weitere etablierte Anbieter am GRC-Markt
AnbieterSchwerpunktTypische Eignung
ServiceNow IRMIntegriertes Risikomanagement in der ServiceNow-PlattformGroße ServiceNow-Anwender
MetricStreamBreite GRC-Plattform mit ESG-FunktionenGroße, regulierte Unternehmen
SAP GRCGovernance und Kontrollen im SAP-VerbundGroße SAP-Anwender
Archer IRMEtablierte Plattform für integriertes RisikomanagementGroße Unternehmen
IBM OpenPagesGRC-Plattform mit Risiko- und ESG-ModulenGroße, regulierte Unternehmen
RiskonnectIntegriertes Risiko- und Compliance-ManagementMittlere bis große Unternehmen
LogicManagerRisikomanagement mit konfigurierbaren WorkflowsMittlere Unternehmen
ProtechtRisikomanagement und ComplianceFinanzsektor und regulierte Branchen
CammsGRC und Strategieumsetzung verbundenÖffentliche und private Organisationen

Die obere Gruppe umfasst die 6 GRC-Anbieter aus dem ESG-Software-Navigator, die im KI-Matching von find-your-esg.de berücksichtigt werden. Die zweite Gruppe nennt weitere am Markt verbreitete Lösungen zur Orientierung.

Auswahl

Fünf Kriterien für die Auswahl

Diese fünf Kriterien helfen, im GRC-Segment die passende Lösung zu finden.

01

ESG-Tiefe

Wie gut bildet die Plattform Nachhaltigkeitsrisiken und ihre Besonderheiten ab, über ein generisches Risikofeld hinaus?

02

Bestehende Systemlandschaft

Nutzen Sie bereits eine GRC-Plattform? Dann liegt deren ESG-Modul nahe. Sonst zählt die Gesamtlösung.

03

Workflow-Flexibilität

Lassen sich Prozesse, Rollen und Eskalationen an Ihre Organisation anpassen?

04

Audit-Funktionen

Sind die Prüf- und Nachweisfunktionen stark genug für die externe Testierung?

05

Berichtsfähigkeit

Wie gut bereitet das System die Lage für Vorstand und Aufsichtsgremien auf?

Anbieterporträts

Sechs GRC-Lösungen im Porträt

Die Tabelle ordnet das Feld nach Schwerpunkt. Die folgenden Kurzporträts zeigen, wofür einzelne Lösungen besonders häufig gewählt werden, vom Audit-Schwerpunkt bis zur breiten Konzern-GRC-Plattform.

Governance & GRC

Diligent ESG

ESG eingebettet in eine Governance- und GRC-Plattform, mit Bezug zu Aufsichtsgremien. Häufig gewählt von größeren Unternehmen, die Nachhaltigkeit auf Vorstands- und Aufsichtsratsebene verankern.

ESG in der GRC-Plattform

OneTrust

Bietet ESG- und Nachhaltigkeitsmanagement innerhalb einer breiten GRC- und Datenschutzplattform. Geeignet für mittlere bis große Unternehmen mit mehreren Compliance-Themen.

Konfigurierbare Workflows

LogicGate

Risiko- und Compliance-Plattform mit konfigurierbaren Workflows, die sich auf ESG zuschneiden lassen. Passend für Unternehmen, die ihre Prozesse selbst gestalten wollen.

Audit & Revision

AuditBoard

Verbindet Audit, Risiko und Compliance in einem Werkzeug. Eine Option für interne Revision und Risikoteams, die ESG prüffähig machen wollen.

Ethik & Compliance

NAVEX

GRC- und Ethik-Compliance-Anbieter mit eigenem ESG-Angebot. Geeignet für Unternehmen, die ESG eng mit Hinweisgeber- und Richtlinienmanagement verbinden.

Risikobewertung

Alyne

Risikomanagement-Software mit strukturiertem Bewertungsansatz, Teil von Mitratech. Eine Option für Risikofunktionen im DACH-Raum, die ESG-Risiken vergleichbar bewerten wollen.

Auswahl in der Praxis

Praxis-Tipps für die Auswahl

Die Kriterien zeigen, worauf es ankommt. Diese Tipps zeigen, wie Sie im Auswahlprozess konkret vorgehen, damit ESG im Risikosystem nicht zur Karteileiche wird.

01

Vom Bestandssystem aus denken

Prüfen Sie zuerst, ob Sie bereits eine GRC-Plattform nutzen. Oft ist ein ESG-Modul im vorhandenen System der schnellere und günstigere Weg als ein neues Tool.

02

Die Rollenverteilung klären

Klären Sie vor der Auswahl, wer ESG-Risiken verantwortet: Risiko, Compliance oder Nachhaltigkeit. Eine Software ohne klare Zuständigkeit bleibt ungepflegt.

03

Auf Kontrollen statt nur Risikolisten achten

Wählen Sie eine Lösung, die nicht nur Risiken erfasst, sondern auch Kontrollen und deren Wirksamkeitsnachweis abbildet. Dort entsteht der eigentliche Nutzen.

04

Die Anbindung an ESG-Datenquellen prüfen

Carbon- und EHS-Systeme halten bereits viele ESG-Daten. Achten Sie auf Schnittstellen, damit das GRC-System diese Daten nutzt statt sie erneut zu erfassen.

05

Die interne Revision einbeziehen

Beziehen Sie die interne Revision in die Auswahl ein. Sie weiß, welche Nachweise eine Prüfung erwartet, und sorgt dafür, dass das System dafür taugt.

06

Schrittweise einführen

Starten Sie mit dem ESG-Risikoregister und den wichtigsten Kontrollen. Weitere Module lassen sich später ergänzen, ohne das Projekt zu überladen.

Fehler vermeiden

Typische Fehler bei der Auswahl

GRC-Projekte scheitern selten an der Software, sondern an unklarer Verantwortung und mangelnder Pflege. Diese sechs Fehler tauchen besonders häufig auf.

01

Ein zweites System aufbauen

Wer ESG in einem neuen Tool ablegt, obwohl eine GRC-Plattform existiert, schafft Doppelarbeit und konkurrierende Datenstände.

02

GRC mit Reporting verwechseln

GRC-Software steuert Risiken und Kontrollen. Wer damit den formatierten Nachhaltigkeitsbericht erwartet, wählt das falsche Werkzeug.

03

Risiken ohne Kontrollen erfassen

Eine lange Risikoliste ohne hinterlegte Kontrollen sieht vollständig aus, verbessert aber nichts.

04

Keine klare Zuständigkeit

Ohne benannte Verantwortliche je ESG-Risiko veraltet das Register. Governance entscheidet, nicht der Funktionsumfang.

05

Die interne Revision spät einbinden

Wird die Revision erst nach der Einführung gehört, fehlen Nachweise und das System muss nachgebaut werden.

06

Den Funktionsumfang überschätzen

Eine breite Konzern-GRC-Plattform kann eine mittlere Organisation überfordern. Der Umfang sollte zur Reife der Risikofunktion passen.

Auswahl starten

Vom Überblick zur passenden GRC-Lösung

Die Übersicht zeigt das Feld. Welche der 6 Lösungen zu Ihrem Unternehmen passt, hängt von der bestehenden Systemlandschaft, der Unternehmensgröße und dem Reifegrad ab.

Unser KI-Matching vergleicht Ihr Profil in wenigen Minuten mit dem Markt und schlägt die passenden GRC-Lösungen vor.
Fragen und Antworten

Häufige Fragen zu GRC-Software für ESG

GRC steht für Governance, Risk und Compliance, also Unternehmensführung, Risikomanagement und Regelkonformität. GRC-Software bündelt diese Bereiche in einem System.
Hier wird Nachhaltigkeit als Risiko- und Kontrollthema behandelt. ESG-Risiken laufen im selben Register und denselben Workflows wie andere Unternehmensrisiken.
Nein. GRC-Software steuert Risiken und Kontrollen. Den formatierten Nachhaltigkeitsbericht erstellt in der Regel eine Reporting-Software.
Vor allem für Unternehmen, die bereits eine GRC-Plattform nutzen oder Nachhaltigkeit eng mit Risikomanagement und interner Revision verbinden wollen.
ESG-Angaben müssen nachweisbar sein. GRC-Software unterstützt interne Audits und eine revisionssichere Ablage, was die externe Prüfung erleichtert.
Die Kosten hängen von Modulen und Nutzerzahl ab. Sie bewegen sich meist im mittleren bis hohen fünfstelligen Jahresbereich für größere Organisationen.
Eine ESG-Plattform ist auf Nachhaltigkeitsdaten und Reporting ausgerichtet. GRC-Software behandelt ESG als Risiko- und Kontrollthema im gleichen System wie andere Unternehmensrisiken.
Nicht zwingend. Wenn Nachhaltigkeit eng mit Risikomanagement und interner Revision verzahnt ist, ergänzt GRC-Software das Reporting sinnvoll. Sonst kann Reporting allein genügen.
Die CSRD verlangt prüfbare Angaben und ein Verständnis der ESG-Risiken. GRC-Software liefert das Risikoregister, die Kontrollen und die Nachweise, auf die der Bericht aufbaut.
Ja. Üblich ist der Start mit dem ESG-Risikoregister und den wichtigsten Kontrollen. Weitere Module wie Audit oder Richtlinienmanagement kommen später hinzu.
Meist die Risiko- oder Compliance-Funktion, in Abstimmung mit dem Nachhaltigkeitsteam. Entscheidend ist eine klare Zuständigkeit für jedes ESG-Risiko.
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